Pressespiegel
Einige Medienberichte über den Protest und die Folgen. Einen umfangreicheren Pressespiegel aus der Zeit des Gipfels gibt es bei DEM Pressespiegel zum G8 Gipfel 2007 unter
Badespasz.
Badespasz.
19. Mai 2007
Nordkurier - Eisbär-Baby Knut wirbt für Proteste
Noch nie sei die Front der Globalisierungskritiker so breit gewesen wie in diesem Jahr, betonen die Aktivisten. Der Protest soll das Treffen beeinflussen.
Von Thomas Beigang
Rostock. Die Globalisierungsgegner haben das Interesse überschätzt: Im riesigen Speisesaal des Kühlungsborner Hotels „Morada“ verlieren sich nur wenige Menschen. Neben den Aktivisten von Attac, dem Gastgeber der Veranstaltung, eine Hand voll Kommunalpolitiker, ergraute Hotelgäste und einige Einheimische. Jörn Alexander, Moderator des Abends, ist verstimmt. „Wir haben wirklich Öffentlichkeitsarbeit betrieben“, erzählt der junge Mann, „haben Einladungen in Briefkästen gesteckt und in der Lokalpresse über den heutigen Abend informiert“.
Zum großen Teil vergebens. Nur wenige Kilometer vom Tagungsort der „mächtigen“ G8-Vertreter in Heiligendamm entfernt, scheint das Interesse am Protest gegen die „neoliberale Globalisierung und deren Verfechter“ zu erlahmen. Oder entzündet sich ausschließlich an Fragen der eigenen Befindlichkeiten. Ein Hotelbesitzer will wissen, ob die „Protestierer“ garantieren könnten, dass seine Lebensmittel wie üblich frisch und pünktlich die Küche erreichen.
Dafür will Werner Rätz, Sprecher von Attac Deutschland, seine Hand nicht ins Feuer legen. Er verspricht aber, dass Blockaden die Einheimischen nicht treffen sollen. Was allerdings die Polizei mache, das könne er nicht sagen.Rätz gibt sich alle Mühe. Erzählt von den Ungerechtigkeiten in der Welt („Die Länder des Südens haben noch zwei Billionen Dollar Schulden. Seit 1982 haben die aber schon das Doppelte an Zinsen und Zinseszinsen bezahlt.“) und warum die G8-Länder („Deren Anteil an der Weltbevölkerung beträgt nur 13 Prozent.“) kein Recht haben, allein über die Probleme der Erde zu befinden. Der spärlich gefüllte Speisesaal des Mittelklasse-Hotels scheint den Aktivisten nicht zu bremsen. Auch hier ruft er dazu auf, bei der großen Demonstration gegen den Gipfel am 2. Juni in Rostock mitzumachen.
20 Kilometer weiter östlich, mitten im Zentrum der Hansestadt, hat das Rostocker Bündnis gegen den G8-Gipfel ein Info-Büro eingerichtet. Monty Schädel, Anmelder der Demonstration und Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft, hat sich zwei große Ziele gesetzt: die Einwohner der Stadt zu informieren über das, was da über sie „kommt“ am 2. Juni, und den Teilnehmern des Marsches die Infrastruktur zu schaffen, die benötigt wird. 100 000 – so die Zahl, die Schädel einst vor einem Jahr auf das Anmeldeformular der Demonstration malte.
Und die brauchen Schlaf- und Parkplätze, sanitäre Anlagen und Verpflegung. „Wer sich den Gipfel einlädt, lädt sich auch den Protest ein“, verteidigt Schädel, der auch schon eine Legislaturperiode als parteiloser Abgeordneter für die PDS im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns saß, die Gipfelgegner. Schädel ist derzeit nicht gut zu sprechen auf seine polizeilichen Gegenüber: Die Razzien bei vermeintlich radikalen G8-Gegnern hätten hierzulande für viel Misstrauen gegenüber ihm und seinen Mitstreitern geführt: „Wir haben Absagen von bereits zugesagten Veranstaltungen bekommen“, beklagt er sich. Schulen, in denen Vertreter des Rostocker Bündnisses gegen den Gipfel auftreten sollten, haben abgewunken.
Im Info-Büro, wo Schädel seine Gäste empfängt, handeln die Globalisierungskritiker auch mit Devotionalien. Selbst Eisbär Knut, das neue Aushängeschild des Berliner Zoos, muss dafür herhalten und wirbt auf einem T-Shirt für den Protest. Der Eisbär soll für dessen Namensvetter, den Polizeiführer Knut Abramowski, stehen, grinst Schädel. Abramowski leitet für die Polizei die Besondere Aufbauorganisation „Kavala“, benannt nach der griechischen Hafenstadt, die ebenfalls – wie Heiligendamm – den Titel „Weiße Stadt am Meer“ trägt.
Seit Wochen trainieren Christoph Kleine und seine Freunde von der Kampagne „Block G8“ für ihre „Tage X“. Die sollen am ersten Gipfeltag, dem 6. Juni, beginnen. Geplant sind Blockaden auf den Zufahrtsstraßen rund um Heiligendamm. Man ist darauf vorbereitet, so der Lübecker Christoph Kleine, tagelang die Wege zu besetzen, denn ihr Motto laute: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Der Sprecher der Kampagne hofft auf Tausende Teilnehmer: „Dem G8-Gipfel fehlt jede Legitimation. Er ist eine arrogante Machtdemonstration und verschwenderische PR-Show.“
Bundesweit haben die „Blockierer“ schon über 60 Aktionstrainings veranstaltet. Am vergangenen Wochenende in Hannover ging es zum Beispiel darum, eine Polizeikette zu „durchbrechen“ oder im „Paket“ weggetragen zu werden. Ziel sei es, betonen die Aktivisten immer wieder, gewaltlose Techniken des Widerstands zu erlernen. Klar sei ihnen schon, sagt Christoph Kleine, dass sie den Gipfel nicht verhindern können: „Aber die Infrastruktur wollen wir ins Stocken geraten lassen.“ Und das solle nicht unterschätzt werden.
>>> Zusammenschluss von über 100 Gruppen
Am 2. Juni geht es los. Dann ist eine Großdemonstration in Rostock geplant. Vom 6. bis zum 8. Juni sollen die Zufahrtsstraßen nach Heiligendamm mit mehr als 20 000 Menschen Tag und Nacht blockiert werden. Neu an der Organisation des Widerstands sei, dass sich erstmals mehr als 110 Gruppen zusammengeschlossen haben, darunter beispielsweise Aktivisten der Anti-Atomkraftbewegung, Kirchen, Gewerkschaften und antifaschistische Gruppierungen. Zu den wichtigsten Gegnern des Gipfeltreffens in Heiligendamm zählt die Bewegung Attac. Attac (Association pour une Taxation des Transactions financières pour l'Aide aux Citoyens, auf Deutsch: Verein für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Bürger) ist eine globalisierungskritische Bewegung, welche am 3. Juni 1998 in Frankreich gegründet wurde.
Attac agiert als Netzwerk in 50 Ländern, hauptsächlich jedoch in Europa, und hat nach eigenen Auskünften 90 000 Mitglieder, davon zurzeit etwa 17 000 in Deutschland. Das Netzwerk besteht aus einem großen Spektrum von sozialen und politischen Bündnissen und Einzelpersonen. Inzwischen hat sich Attac auch anderer Themen der globalisierungskritischen Bewegung angenommen, als deren Teil es sich sieht. Seine Mitglieder nehmen häufig an Aktionen und Demonstrationen teil. nk
(Nordkurier, 19.05.2007)
Mehr Informationen:
http://www.nordkurier.de/g8/teil_7.php
Von Thomas Beigang
Rostock. Die Globalisierungsgegner haben das Interesse überschätzt: Im riesigen Speisesaal des Kühlungsborner Hotels „Morada“ verlieren sich nur wenige Menschen. Neben den Aktivisten von Attac, dem Gastgeber der Veranstaltung, eine Hand voll Kommunalpolitiker, ergraute Hotelgäste und einige Einheimische. Jörn Alexander, Moderator des Abends, ist verstimmt. „Wir haben wirklich Öffentlichkeitsarbeit betrieben“, erzählt der junge Mann, „haben Einladungen in Briefkästen gesteckt und in der Lokalpresse über den heutigen Abend informiert“.
Zum großen Teil vergebens. Nur wenige Kilometer vom Tagungsort der „mächtigen“ G8-Vertreter in Heiligendamm entfernt, scheint das Interesse am Protest gegen die „neoliberale Globalisierung und deren Verfechter“ zu erlahmen. Oder entzündet sich ausschließlich an Fragen der eigenen Befindlichkeiten. Ein Hotelbesitzer will wissen, ob die „Protestierer“ garantieren könnten, dass seine Lebensmittel wie üblich frisch und pünktlich die Küche erreichen.
Dafür will Werner Rätz, Sprecher von Attac Deutschland, seine Hand nicht ins Feuer legen. Er verspricht aber, dass Blockaden die Einheimischen nicht treffen sollen. Was allerdings die Polizei mache, das könne er nicht sagen.Rätz gibt sich alle Mühe. Erzählt von den Ungerechtigkeiten in der Welt („Die Länder des Südens haben noch zwei Billionen Dollar Schulden. Seit 1982 haben die aber schon das Doppelte an Zinsen und Zinseszinsen bezahlt.“) und warum die G8-Länder („Deren Anteil an der Weltbevölkerung beträgt nur 13 Prozent.“) kein Recht haben, allein über die Probleme der Erde zu befinden. Der spärlich gefüllte Speisesaal des Mittelklasse-Hotels scheint den Aktivisten nicht zu bremsen. Auch hier ruft er dazu auf, bei der großen Demonstration gegen den Gipfel am 2. Juni in Rostock mitzumachen.
20 Kilometer weiter östlich, mitten im Zentrum der Hansestadt, hat das Rostocker Bündnis gegen den G8-Gipfel ein Info-Büro eingerichtet. Monty Schädel, Anmelder der Demonstration und Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft, hat sich zwei große Ziele gesetzt: die Einwohner der Stadt zu informieren über das, was da über sie „kommt“ am 2. Juni, und den Teilnehmern des Marsches die Infrastruktur zu schaffen, die benötigt wird. 100 000 – so die Zahl, die Schädel einst vor einem Jahr auf das Anmeldeformular der Demonstration malte.
Und die brauchen Schlaf- und Parkplätze, sanitäre Anlagen und Verpflegung. „Wer sich den Gipfel einlädt, lädt sich auch den Protest ein“, verteidigt Schädel, der auch schon eine Legislaturperiode als parteiloser Abgeordneter für die PDS im Landtag Mecklenburg-Vorpommerns saß, die Gipfelgegner. Schädel ist derzeit nicht gut zu sprechen auf seine polizeilichen Gegenüber: Die Razzien bei vermeintlich radikalen G8-Gegnern hätten hierzulande für viel Misstrauen gegenüber ihm und seinen Mitstreitern geführt: „Wir haben Absagen von bereits zugesagten Veranstaltungen bekommen“, beklagt er sich. Schulen, in denen Vertreter des Rostocker Bündnisses gegen den Gipfel auftreten sollten, haben abgewunken.
Im Info-Büro, wo Schädel seine Gäste empfängt, handeln die Globalisierungskritiker auch mit Devotionalien. Selbst Eisbär Knut, das neue Aushängeschild des Berliner Zoos, muss dafür herhalten und wirbt auf einem T-Shirt für den Protest. Der Eisbär soll für dessen Namensvetter, den Polizeiführer Knut Abramowski, stehen, grinst Schädel. Abramowski leitet für die Polizei die Besondere Aufbauorganisation „Kavala“, benannt nach der griechischen Hafenstadt, die ebenfalls – wie Heiligendamm – den Titel „Weiße Stadt am Meer“ trägt.
Seit Wochen trainieren Christoph Kleine und seine Freunde von der Kampagne „Block G8“ für ihre „Tage X“. Die sollen am ersten Gipfeltag, dem 6. Juni, beginnen. Geplant sind Blockaden auf den Zufahrtsstraßen rund um Heiligendamm. Man ist darauf vorbereitet, so der Lübecker Christoph Kleine, tagelang die Wege zu besetzen, denn ihr Motto laute: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ Der Sprecher der Kampagne hofft auf Tausende Teilnehmer: „Dem G8-Gipfel fehlt jede Legitimation. Er ist eine arrogante Machtdemonstration und verschwenderische PR-Show.“
Bundesweit haben die „Blockierer“ schon über 60 Aktionstrainings veranstaltet. Am vergangenen Wochenende in Hannover ging es zum Beispiel darum, eine Polizeikette zu „durchbrechen“ oder im „Paket“ weggetragen zu werden. Ziel sei es, betonen die Aktivisten immer wieder, gewaltlose Techniken des Widerstands zu erlernen. Klar sei ihnen schon, sagt Christoph Kleine, dass sie den Gipfel nicht verhindern können: „Aber die Infrastruktur wollen wir ins Stocken geraten lassen.“ Und das solle nicht unterschätzt werden.
>>> Zusammenschluss von über 100 Gruppen
Am 2. Juni geht es los. Dann ist eine Großdemonstration in Rostock geplant. Vom 6. bis zum 8. Juni sollen die Zufahrtsstraßen nach Heiligendamm mit mehr als 20 000 Menschen Tag und Nacht blockiert werden. Neu an der Organisation des Widerstands sei, dass sich erstmals mehr als 110 Gruppen zusammengeschlossen haben, darunter beispielsweise Aktivisten der Anti-Atomkraftbewegung, Kirchen, Gewerkschaften und antifaschistische Gruppierungen. Zu den wichtigsten Gegnern des Gipfeltreffens in Heiligendamm zählt die Bewegung Attac. Attac (Association pour une Taxation des Transactions financières pour l'Aide aux Citoyens, auf Deutsch: Verein für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohle der Bürger) ist eine globalisierungskritische Bewegung, welche am 3. Juni 1998 in Frankreich gegründet wurde.
Attac agiert als Netzwerk in 50 Ländern, hauptsächlich jedoch in Europa, und hat nach eigenen Auskünften 90 000 Mitglieder, davon zurzeit etwa 17 000 in Deutschland. Das Netzwerk besteht aus einem großen Spektrum von sozialen und politischen Bündnissen und Einzelpersonen. Inzwischen hat sich Attac auch anderer Themen der globalisierungskritischen Bewegung angenommen, als deren Teil es sich sieht. Seine Mitglieder nehmen häufig an Aktionen und Demonstrationen teil. nk
(Nordkurier, 19.05.2007)
Mehr Informationen:
http://www.nordkurier.de/g8/teil_7.php






